Mut zum Jobwechsel

17 Sep. 16

Warum Veränderung notwendig ist – mein Weg durch 34 Jahre Arbeitsleben

Es stellt sich immer wieder die gleiche Frage:
Warum will ich wechseln?
Warum will ich nicht bleiben?
Was sind meine Beweggründe, mich zu verändern?

Bei mir waren es meist finanzielle Gründe. Ich wollte – oder musste – mehr Geld verdienen. Gleichzeitig brauchte ich andere Arbeitszeiten, um für meine Kinder da sein zu können. Schwierige Kollegen gab es auch, doch ich suchte mir immer Strategien, um den Arbeitsalltag leichter zu machen. Diese Strategien nutzte ich auch bei jedem Neuanfang.

Eine davon war meine persönliche „Witze-Strategie“: Gleich morgens, zu Beginn des Tages, erzählte ich einen neutralen Witz, den ich mir vorher überlegt hatte. Auch für schwierige Situationen hatte ich immer ein kleines Witzchen parat – denn streitlustige Kollegen gibt es überall. Mit einem Lachen lässt es sich einfach schwer böse sein. Außerdem hielt ich mich so gut es ging von negativen Menschen fern, auch wenn das im Arbeitsumfeld oft nicht leicht ist.

Jeder Neuanfang war eine Herausforderung und brachte mir meist mindestens eine schlaflose Nacht. Doch ich wusste: Es muss sein. Als alleinerziehende Mutter hat man oft keine Wahl.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als in meiner ersten Ehe ein Sturm aufzog. Meine Kinder waren damals drei und sechs Jahre alt. Ich brauchte dringend Geld, Arbeit und eine Versicherung. Meinen erlernten Beruf als Lebensmittelverkäuferin konnte ich vergessen – mit diesen Arbeitszeiten und diesem Verdienst wäre es nicht gegangen.

Also suchte ich mir einen Job, bei dem Geld und Zeit halbwegs passten. Ich begann, in einer Disco zu arbeiten und dort am Vormittag oder Nachmittag aufzuräumen. Wenn es nicht anders ging, nahm ich die Kinder sogar mit. Der Verdienst entsprach in etwa dem im Handel bei einer 40-Stunden-Woche. Ich überlegte nicht lange, rief an und bewarb mich. Ich ging mit der Einstellung hin: „Das mache ich mit links, ich bin ja eh überqualifiziert.“ Total selbstbewusst – zumindest nach außen. Innerlich war ich voller Zweifel. Jahre später erzählte mir der Chef, dass sich über 60 Personen beworben hatten.

Mein Auftreten, mein Selbstbewusstsein und vor allem meine Offenheit über meine Situation waren letztlich der Grund, warum er mir diese Chance gab. Es war ein Knochenjob, aber in meiner Lage ein echtes Geschenk. Mein Rücken hielt diese Belastung allerdings nur ein paar Jahre aus, und ich musste mir wieder etwas Neues suchen. Die Ärzte hatten mir bereits gesagt, dass ich diese schwere Arbeit nicht mehr lange durchhalten würde. Inzwischen war ich geschieden – eine Lösung musste her.

Ich bewarb mich bei der Landesregierung. Der Plan war klar: zuerst putzen, später ins Büro wechseln. Damals war das ein üblicher Weg. Ich ging in mich und wog alles ab: die Vorteile und Nachteile des neuen Jobs sowie jene der bisherigen Arbeit. Mir war klar, dass ich Sicherheit brauchte. Eine Arbeit, die auch dann Bestand hat, wenn man körperlich nicht mehr so kann oder längere Zeit ausfällt – zum Beispiel für eine Rückenoperation.

Wieder trat ich selbstbewusst auf, war klar in meinen Aussagen, schrieb eine höfliche und respektvolle Bewerbung und bekam die Chance anzufangen. Ich war glücklich. Es war nicht immer leicht, doch ich hatte Sicherheit – die Gewissheit, jeden Monat das Geld zu bekommen, das ich für mich und meine Kinder brauchte.

Mit dieser Sicherheit begann ich zu lernen, Kurse zu besuchen und mich weiterzubilden. Ich bekam mein drittes Kind und nutzte die Karenzzeit, um weiter zu lernen. Leider waren mein drittes Kind gesundheitlich nicht stabil, und eine fixe Arbeit war unmöglich. So karenzierte ich insgesamt sechs Jahre und begann danach als Coach zu arbeiten – so, wie es zeitlich eben möglich war.

Die Ausbildungen hatte ich, das Werkzeug sozusagen, doch ich hatte Angst. Angst, etwas falsch zu machen. Angst, jemandem zu schaden. Angst, Verantwortung zu tragen. Und trotzdem musste ich arbeiten.

Also begann ich, mich mit meiner Angst auseinanderzusetzen. Mir wurde klar, dass es vor allem die Verantwortung gegenüber meinen Kunden war, die mich blockierte. Auch das durfte ich lernen – und schließlich annehmen.

Hinter jeder Verweigerung, sich zu verändern, steckt eine negative Emotion, genährt durch negative Erlebnisse. Gleichzeitig sind wir Gewohnheitsmenschen. Wir machen weiter wie bisher, weil wir es so gelernt haben oder weil es uns so gesagt wurde – oft ohne zu hinterfragen:

Stimmt das denn?
Ist das noch aktuell?
Brauchen wir das wirklich?
Wer sagt das eigentlich?

Heute, nach 34 Jahren Arbeitsleben, kann ich sagen: Ich habe den besten Job überhaupt. Ich bin selbständige diplomierte Lebens- und Sozialberaterin, Mutter und Bäuerin Kräuterpädagogin. Das Leben hat mir meinen Weg gezeigt. Manchmal habe ich mich dagegen gewehrt, doch letztlich habe ich mich darauf eingelassen und bin weitergegangen.

Mein Fazit: Jede Veränderung ist ein Schritt nach vorne. Manchmal führt der Weg über kleine Kurven – doch es bleibt Bewegung.

Nur mit Veränderung kommt man vorwärts

Mut zum Jobwechsel !